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Juni 1, 2020

Meine Reise

Ich heisse Jaqueline und bin 29. Krass. Mein letztes Jahr in meinen Zwanzigern. Und wenn ich zurück schaue, auf den Weg den ich hinter mich gelegt hab, dann kann ich es kaum glauben, dass ich hier raus gekommen bin. Dass mich etwas so in seinen Bann ziehen konnte, wie die Fotografie. So sehr, dass ich mir erst Mal gar nicht vorstellen kann, was Anderes zu tun für die kommenden Jahre, ja vielleicht sogar Jahrzehnte. Das ist, wenn man mich kennt, schon ganz schön crazy, denn den größten Teil meiner 20er, ja eigentlich seit meiner Kindheit verbrachte ich in totaler Verwirrung – verloren, planlos, ziellos, uferlos.

Ich arbeite als Journalistin, rebellierte, schrieb Romane und Gedichte, ich stand in einem Burgfräuleinkostüm vor einer Burg und leitete eine Blasband durch die Räumlichkeiten, ich entwickelte mit einem Künstlerkollektiv eine Kunstdemonstration, ich stand an mehreren Filmsets als Szenografie-Assistentin und druckte für eine kleine Firma mit alten Vorgehensweisen alle Emails aus und hefte sie ab- während ich Kette rauchte. Ein meterhohes Regal voller Ordner türmte sich vor mir auf. Ich schrieb für ein Magazin, bei der die ganze Hipster-Redaktion nur monoton dreinschaute. Ja, ich kann sogar Gabelstapler fahren – kein Scherz. Ich arbeitete monatelang an meiner Portfoliomappe für die Kunsthochschule, die WG dabei bis ins letzte Eck ein Schnipsel-Meer, nur um morgens am Abgabetermin zu begreifen, dass ich sie eigentlich gar nicht einreichen möchte. Ich blieb also zuhause und saugte stattdessen die Schnipsel weg. Ständig neue Projekte, neue Gesichter, neue Titel, neue Farben. Ich liebte es, verloren zu sein – meistens jedenfalls- , das Unbekannte einzuladen auch wenn am Ende immer die Erkenntnis, die bittersüße Wahrheit kam, dass es das dann doch nicht war. Der unbändige Drang weiterzuziehen. Denn ein kleiner Teil in mir, der wartete auf den Moment, das Klick-Geräusch. Aber es kam nie. An manchen Tagen, graute es mir vor der Frage, die mir alte Bekannte, Verwandte und auch Fremde stellten:

“ „Und was machst du jetzt eigentlich gerade?“ Ja, in manchen Zeiten da war die Welt voll von dieser Frage, sie schien quasi nur aus ihr zu existieren.“

Und ich wusste keine Antwort, oder hatte tausend Antworten, aber keine, die gesellschaftlich akzeptabel war. Und dann diese Ratschläge. Immer diese Ratschläge. Ich wollte sie nicht hören.
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Die Fotografie ist mir in meinen Projekten immer wieder aufs Neue begegnet. Ja immer wieder hielt ich eine Kamera in der Hand. Irgendwann konnte ich dann nicht mehr wegschauen und schenkte ihr meinen vollen Fokus und dann nahm alles seinen Lauf. Es sprudelte und es sprudelt noch immer. Ab durch den Hasenbau. Ich liebe sie, weil sie mir erlaubt mich zu verlieren, von Projekt zu Projekt zu wandern, immer wieder neuen Menschen zu begegnen. Ich kann mein Freaksein voll ausleben, und Rebell sein – egal ob dafür oder dagegen. Mit ihr erzähle ich die spannendsten Geschichten, sie ist das schönste rhetorische Mittel. Mit ihr kann ich hochpolitisch sein und das auf die ästhetischste Weise. Da klopft mein Stier-Herz vor Freude ganz laut. Mit ihr kann ich heilen und Menschen Mut geben. Sie ist ein Kompliment in Bildern, meine Ritualpartnerin. Dank ihr steht in meinem Schlafzimmer eine übergroße, selbstgebastelte Venus-Muschel. Ständige neue Bastelprojekte. Sie hat tausend Gesichter, unendliche Formen, Facetten. Sie ist mein Mikrofon und mein Versteck zugleich. Mein Tagebuch. Ich bin einfach nur dankbar.

Ein tausendfaches Klicken.

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